🧡Holunderstory

Es war einmal ein freundlicher Holunderbaum, der eines Tages keine BlĂŒten mehr zeigte. Anscheinend war er wohl depressiv geworden. Er hatte all seine KrĂ€fte verwendet ordentlich zu wachsen um einige Meter hoch zu werden. Als er aber groß und alt genug war, fragte er sich, wofĂŒr er denn nun so doll gewachsen ist. Er konnte sich erinnern, dass er eines Tages hier an Ort und Stelle, samt seiner großartigen Wurzel, mit einer groben Baggerschaufel entfernt wurde. Er hatte verstĂ€ndlicherweise große Angst, dass man ihm das noch ein zweites mal antun könnte.

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Wozu also hier nochmal weiter wachsen? Wozu noch BlĂŒten tragen?

Er ging immer tiefer in sich und suchte dort im Inneren den Sinn seines Daseins. Zum BlĂŒhen fiel ihm schlicht und ergreifend der Antrieb. Jedes Mal, wenn die Hausbesitzerin vorbei kam, zitterte er innerlich wie Espenlaub. Er versuchte wirklich sehr still zu zittern, damit er ja nicht wahrgenommen wird. Es war nicht nur diese Angst, die ihm die Lebensfreude nahm. Weitere starke GefĂŒhle wie Wut, Trauer und verletzter Stolz wechselten sich manchmal noch mit einem schlechten Gewissen ab, dass man seinen Stolz ĂŒberhaupt verletzen konnte. Diese WechselbĂ€der der GefĂŒhle kosteten den armen Holunder enorm viel Kraft.

Durch das Zittern verlor er ab und zu mal ein paar Äste. Aber einer der Äste hatte einen großen Willen weiter zu wachsen und schlug fröhliche neue Wurzeln in einem der Hortensientöpfe gegenĂŒber. Als der Holunder sah, dass das weibliche Menschenwesen aus dem Haus diesen Ableger dann sehr liebevoll pflegte, und er ausserdem beobachten konnte, dass dieses Wesen sich sichtlich bemĂŒhte, dass es seinem fröhlichem Holunderkind gut geht, keimte in ihm ganz ganz zart, der Zauber des neuen Vertrauens.

Ihm kam sogar ein leiser Verdacht, dass alles genauso so kommen sollte. Und keiner wirklich dafĂŒr was kann, dass er so respektlos entfernt wurde. Da wurde ihm ganz warm um sein grosses Wurzelherz.

Rosentrost

Ein großer Trost in seiner schwermĂŒtigen Zeit war fĂŒr den Holunder eine rote Rose, die gleich neben ihm stand. Sie wurde damals nicht entfernt, war also immer noch da und konnte dem Holunderbusch berichten, was sie wĂ€hrend seiner Abwesenheit in den letzen Jahren alles auf dem GrundstĂŒck so beobachten konnte. Sie erzĂ€hlte ihm, wie traurig die Gartenfrau manchmal war.  So traurig, dass sie den Garten kaum noch besucht hatte. Sie berichtete ihm, dass die Hausbesitzer-Familie wĂ€hrend seiner Abwesenheit so einige familiĂ€re, finanzielle und gesundheitlichen HĂŒrden zu meistern hatten und dass diese Familie mit großer Zuversicht und so gut sie konnte mit sehender Liebe gehandelt hat.

Sie erzĂ€hlte ihm weiter, dass sie in den letzten Jahren liebevoll gedĂŒngt und ausreichend bewĂ€ssert wurde, und dass die Haarschnitte, die sie 2 mal im Jahr von der Hausbesitzerin verpasst bekommt, ihr immer besser gefielen.

„Stell Dir vor, mittlerweile fragt sie mich sogar, wie kurz der HaarSchnitt werden darf, und welches Styling mir am besten gefallen wĂŒrde. Meistens macht sie dann genau, was ich ihr sage!“ erzĂ€hlte die Rose stolz dem Holunderbusch. „Manchmal ist sie auch ein bisschen schwerer von Begriff, dann versuche ich ihr meine WĂŒnsche noch mal neu zu erzĂ€hlen und manchmal ĂŒberzeugt sie mich zurecht, dass ihre Vorstellungen doch besser fĂŒr mich sind. Wir kommen mittlerweile echt gut zurecht. Ich glaube, wir sind Freundinnen geworden“, flĂŒsterte die rote Rose leise und bedĂ€chtig vor sich hin. „Sie hat ein GespĂŒr fĂŒr uns, sage ich Dir. Zumindest versucht sie uns zu verstehen.“ „Mmh!“, sagte der Holunderbusch kurz und knapp.

Die Rose erzĂ€hlte weiterhin, dass sie glaubt, dass die Familienseele ein gutes Herz hat und versucht auf den Geist der Natur zu hören. „Versuch doch mal mit Ihr zu Kontakt aufzunehmen“, schlug die Rose ihm vor. „Ich weiß nicht, ob ich das kann und ich weiß auch nicht, ob ich das will“, sagte der Holunderbusch sehr nachdenklich zur Rose. „Nun ja – Du kannst auch weiter hier stehen und abwechselnd, wĂŒtend traurig oder Ă€ngstlich sein. Es ist Deine Entscheidung.“

Diese Hausbesitzer haben mich wirklich sehr verletzt. Sie haben mir meine Freude und meine ganze Kraft genommen!.“

Nachwuchs im Hortensientopf

Aber ein paar Tage spĂ€ter beobachtete er die Hausbesitzerin trotzdem mit ganz anderen Augen: Er schaute ihr zu, wie sie liebevoll mit dem Holundersteckling im Hortensientopf sprach. Er konnte kaum glauben, dass die Hausbesitzerin sich offensichtlich wirklich ĂŒber den HolunderNachwuchs freute. Sie richtete ihm sogar einen neuen eigenen Kinderzimmerblumentopf mit frischer Erde ein. Er sah ihr zu, wie sie versuchte mit dem Steckling zu kommunizieren um herauszufinden, was ihm gut tun wird. Auf einmal stand sie sogar vor ihm selbst persönlich und bedankte sich, dass er ihr ein solches Zeichen gesendet hatte. Sie dankte ihm dafĂŒr, dass sie nun die Möglichkeit hĂ€tte,  ein bisschen was wieder gut zu machen. Sie bat ihm auch um Vergebung, dass sie damals aus Unwissenheit ein solch wertvollen Baum entfernen wollten. Sie sagte ihm, dass sie sich sehr darĂŒber freue, dass er wieder neu nachgewachsen ist. Sie wisse heute, dass der Holunder ein Tor zur Anderswelt sein kann, eine sehr vielseitig heilsame und fĂŒr Menschen eine sehr wertvolle Pflanze ist. Der Holunder konnte konnte gar nicht reagieren, er fand es ganz schön, dass sie sich um seinen Nachwuchs kĂŒmmert. Er fand schön, dass sie versuchte sein Wesen zu verstehen. Aber blĂŒhen konnte er dennoch nicht. Aber er nahm wahr, dass sie wirklich versuchte, ihm zu helfen. Anfangs gab er ihr kleine AuftrĂ€ge, wie z.B. „stelle einen leeren Topf ganz nah an meine StĂ€mme und sammle verwelkte BlĂŒten darin„.

Osterschmuck

Er konnte es kaum fassen, dass sie tatsĂ€chlich mit ihm sprach. Dieses Jahr an Ostern sagte er schließlich zu ihr: „Es wĂ€re mir ein Freude, wenn ich zu Ostern ein wenig geschmĂŒckt werden könnte. Bitte keine bunten Plastikeier, am liebsten ein natĂŒrlicher Schmuck, vielleicht könntest Du ein paar Eier selbst ausblasen und sie ein wenig fĂŒr mich dekorieren?

Er staunte nicht schlecht, als ein paar Tage spĂ€ter das Hausbesitzer-Ehepaar vor ihm stand und die fĂŒr ihn ganz persönlich ausgeblasenen und liebevoll angemalten Ostereier an ihm aufhĂ€ngten. Der Ehemann der Hausbesitzerin, also jener, der damals mit dem Bagger um die Ecke kam, half nĂ€mlich seiner Frau die Eier auszublasen und freute sich mit ihr drauf den Holunder auf diese Art zu schmĂŒcken. So zollte auch er dem Holunder Respekt und freute sich mit seiner Frau, dass er wieder im Garten zu sehen ist.

Daseins-Grund und die Liebe zur Natur

Ganz plötzlich wusste der Holunder den Grund seines Daseins auf einmal wieder, denn er hatte auf diese zauberhafte Weise sein Vertrauen in die Liebe zur Natur im Menschen wieder gefunden. Die Eier waren die Symbole der Fruchtbarkeit. Symbole fĂŒr eine fruchtbare Kommunikation zwischen Mensch und Pflanzenwelt.

Nun möchte er seinen Zauber wieder mit uns allen teilen und hilft uns Menschen mit seinen BlĂŒten und FrĂŒchten auf liebevolle und natĂŒrliche Weise wieder „heil“ zu werden.

Denn in diesem Sommer trug es sich also zu, dass der Holunder zum ersten mal wieder zaghaft blĂŒhte. Er trug sogar soviel BlĂŒten, dass ein heilsamer Holundersirup vom HolundermĂ€rchenmĂ€dchen hergestellt werden konnte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Das HolunderMÀrchenmÀdchen aber, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kraft des Holunders zu studieren und so gut sie kann einen Betrag dazu zu leisten, dass diese magische Heilpflanze und ihre eigene Intuition in ihrem Leben wieder wesentlich mehr Beachtung findet.

4 Gedanken zu “🧡Holunderstory

  1. Liebe Petra,
    deine Geschichte hat mich sehr berĂŒhrt, vielen lieben Dank fĂŒr teilen von deine Erlebnissen ❀
    Das hast du unglaublich schön geschrieben
    Danke
    Lucinaslife

    • Liebe Lucina Life, ich danke Dir sehr fĂŒr Deinen Kommentar und freue mich, dass meine Story Dir gefallen hat:-)

  2. Liebes HulundermĂ€rchenmĂ€dchen Petra, ich habe dieses wunderschöne MĂ€rchen mit jeder Zeile andĂ€chtiger gelesen. Ich bin total verzĂŒckt. Da steckt soviel Wahrheit drin. Ich bin jetzt am ĂŒberlegen, ob ich mich auch öfters mit meiner kupfernen Felsenbirne unterhalten sollte. Sie krĂ€nkelt ein bisschen, hat nur kleine BlĂŒtenstĂ€nde und einige Zweige sind abgestorben, tragen weder BlĂŒten noch BlĂ€tter.
    Liebes HolundermĂ€rchenmĂ€dchen Petra, ich werde jetzt das Fenster öffnen und das zauberhafte MĂ€rchen vom Holunder vorlesen. Ich hoffe, es gefĂ€llt meiner kupfernen Felsenbirne und sie schöpft auch neuen Mut. Den Mut braucht sie um viele BlĂŒten zu bekommen. Die sich daraus entwickelnden Beeren sind Nahrungsquelle fĂŒr die Vögel. Damit wĂ€re auch den Vögeln gedient.
    Damit ich auch in Zukunft interessante BeitrÀge nicht versÀumen, werde ich dem HolundermÀrchenmÀdchen bei IG folgen.
    Ich wĂŒnsche einen schönen RestOstermontag
    @dernordensh Werner K.

    • Lieber @dernordensh ich danke Dir sehr fĂŒr Deinen genauso schönen wie
      humorvollen Kommentar und dass Du Dir die Zeit zum Lesen genommen hast. Ich wĂŒnsche Dir und Deiner Felsenbirne von Herzen alles Gute und freu mich sehr, dass ihr mir jetzt auf IG folgt. PS. Ich habe unserem HolunderbĂ€umchen schon von Euch erzĂ€hlt. Wir sind gespannt, was Du uns berichten wirst. Die Aufmerksamkeit wird Deiner Felsenbirne gut tun – auch BĂ€umchen lieben Geschichten, ganz besonders, wenn sie aus dem Fenster heraus vorgelesen werden..

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