HolunderMärchenMädchenStory

Es war einmal ein freundlicher Holunderbaum, der eines Tages keine Blüten mehr zeigte. Anscheinend war er wohl depressiv geworden. Er hatte all seine Kräfte verwendet ordentlich zu wachsen um einige Meter hoch zu werden. Als er aber groß und alt genug war, fragte er sich, wofür er denn nun so doll gewachsen ist. Er konnte sich erinnern, dass er eines Tages hier an Ort und Stelle, samt seiner großartigen Wurzel, mit einer groben Baggerschaufel entfernt wurde. Er hatte verständlicherweise große Angst, dass man ihm das noch ein zweites mal antun könnte.

i285415639405701296._szw480h1280_

Wozu also hier nochmal weiter wachsen? Wozu noch Blüten tragen?

Er ging immer tiefer in sich und suchte dort im Inneren den Sinn seines Daseins. Zum Blühen fiel ihm schlicht und ergreifend der Antrieb. Jedes Mal, wenn die Hausbesitzerin vorbei kam, zitterte er innerlich wie Espenlaub. Er versuchte wirklich sehr still zu zittern, damit er ja nicht wahrgenommen wird. Es war nicht nur diese Angst, die ihm die Lebensfreude nahm. Weitere starke Gefühle wie Wut, Trauer und verletzter Stolz wechselten sich manchmal noch mit einem schlechten Gewissen ab, dass man seinen Stolz überhaupt verletzen konnte. Diese Wechselbäder der Gefühle kosteten den armen Holunder enorm viel Kraft.

Durch das Zittern verlor er ab und zu mal ein paar Äste. Aber einer der Äste hatte einen großen Willen weiter zu wachsen und schlug fröhliche neue Wurzeln in einem der Hortensientöpfe gegenüber. Als der Holunder sah, dass das weibliche Menschenwesen aus dem Haus diesen Ableger dann sehr liebevoll pflegte, und er ausserdem beobachten konnte, dass dieses Wesen sich sichtlich bemühte, dass es seinem fröhlichem Holunderkind gut geht, keimte in ihm ganz ganz zart, der Zauber des neuen Vertrauens.

Ihm kam sogar ein leiser Verdacht, dass alles genauso so kommen sollte. Und keiner wirklich dafür was kann, dass er so respektlos entfernt wurde. Da wurde ihm ganz warm um sein grosses Wurzelherz.

Rosentrost

Ein großer Trost in seiner schwermütigen Zeit war für den Holunder eine rote Rose, die gleich neben ihm stand. Sie wurde damals nicht entfernt, war also immer noch da und konnte dem Holunderbusch berichten, was sie während seiner Abwesenheit in den letzen Jahren alles auf dem Grundstück so beobachten konnte. Sie erzählte ihm, wie traurig die Gartenfrau manchmal war.  So traurig, dass sie den Garten kaum noch besucht hatte. Sie berichtete ihm, dass die Hausbesitzer-Familie während seiner Abwesenheit so einige familiäre, finanzielle und gesundheitlichen Hürden zu meistern hatten und dass diese Familie mit großer Zuversicht und so gut sie konnte mit sehender Liebe gehandelt hat.

Sie erzählte ihm weiter, dass sie in den letzten Jahren liebevoll gedüngt und ausreichend bewässert wurde, und dass die Haarschnitte, die sie 2 mal im Jahr von der Hausbesitzerin verpasst bekommt, ihr immer besser gefielen.

Stell Dir vor, mittlerweile fragt sie mich sogar, wie kurz der HaarSchnitt werden darf, und welches Styling mir am besten gefallen würde. Meistens macht sie dann genau, was ich ihr sage!“ erzählte die Rose stolz dem Holunderbusch. „Manchmal ist sie auch ein bisschen schwerer von Begriff, dann versuche ich ihr meine Wünsche noch mal neu zu erzählen und manchmal überzeugt sie mich zurecht, dass ihre Vorstellungen doch besser für mich sind. Wir kommen mittlerweile echt gut zurecht. Ich glaube, wir sind Freundinnen geworden“, flüsterte die rote Rose leise und bedächtig vor sich hin. „Sie hat ein Gespür für uns, sage ich Dir. Zumindest versucht sie uns zu verstehen.“ „Mmh!“, sagte der Holunderbusch kurz und knapp.

Die Rose erzählte weiterhin, dass sie glaubt, dass die Familienseele ein gutes Herz hat und versucht auf den Geist der Natur zu hören. „Versuch doch mal mit Ihr zu Kontakt aufzunehmen“, schlug die Rose ihm vor. „Ich weiß nicht, ob ich das kann und ich weiß auch nicht, ob ich das will“, sagte der Holunderbusch sehr nachdenklich zur Rose. „Nun ja – Du kannst auch weiter hier stehen und abwechselnd, wütend traurig oder ängstlich sein. Es ist Deine Entscheidung.“

Diese Hausbesitzer haben mich wirklich sehr verletzt. Sie haben mir meine Freude und meine ganze Kraft genommen!.“

Nachwuchs im Hortensientopf

Aber ein paar Tage später beobachtete er die Hausbesitzerin trotzdem mit ganz anderen Augen: Er schaute ihr zu, wie sie liebevoll mit dem Holundersteckling im Hortensientopf sprach. Er konnte kaum glauben, dass die Hausbesitzerin sich offensichtlich wirklich über den HolunderNachwuchs freute. Sie richtete ihm sogar einen neuen eigenen Kinderzimmerblumentopf mit frischer Erde ein. Er sah ihr zu, wie sie versuchte mit dem Steckling zu kommunizieren um herauszufinden, was ihm gut tun wird. Auf einmal stand sie sogar vor ihm selbst persönlich und bedankte sich, dass er ihr ein solches Zeichen gesendet hatte. Sie dankte ihm dafür, dass sie nun die Möglichkeit hätte,  ein bisschen was wieder gut zu machen. Sie bat ihm auch um Vergebung, dass sie damals aus Unwissenheit ein solch wertvollen Baum entfernen wollten. Sie sagte ihm, dass sie sich sehr darüber freue, dass er wieder neu nachgewachsen ist. Sie wisse heute, dass der Holunder ein Tor zur Anderswelt sein kann, eine sehr vielseitig heilsame und für Menschen eine sehr wertvolle Pflanze ist. Der Holunder konnte konnte gar nicht reagieren, er fand es ganz schön, dass sie sich um seinen Nachwuchs kümmert. Er fand schön, dass sie versuchte sein Wesen zu verstehen. Aber blühen konnte er dennoch nicht. Aber er nahm wahr, dass sie wirklich versuchte, ihm zu helfen. Anfangs gab er ihr kleine Aufträge, wie z.B. „stelle einen leeren Topf ganz nah an meine Stämme und sammle verwelkte Blüten darin„.

Osterschmuck

Er konnte es kaum fassen, dass sie tatsächlich mit ihm sprach. Dieses Jahr an Ostern sagte er schließlich zu ihr: „Es wäre mir ein Freude, wenn ich zu Ostern ein wenig geschmückt werden könnte. Bitte keine bunten Plastikeier, am liebsten ein natürlicher Schmuck, vielleicht könntest Du ein paar Eier selbst ausblasen und sie ein wenig für mich dekorieren?

Er staunte nicht schlecht, als ein paar Tage später das Hausbesitzer-Ehepaar vor ihm stand und die für ihn ganz persönlich ausgeblasenen und liebevoll angemalten Ostereier an ihm aufhängten. Der Ehemann der Hausbesitzerin, also jener, der damals mit dem Bagger um die Ecke kam, half nämlich seiner Frau die Eier auszublasen und freute sich mit ihr drauf den Holunder auf diese Art zu schmücken. So zollte auch er dem Holunder Respekt und freute sich mit seiner Frau, dass er wieder im Garten zu sehen ist.

Daseins-Grund und die Liebe zur Natur

Ganz plötzlich wusste der Holunder den Grund seines Daseins auf einmal wieder, denn er hatte auf diese zauberhafte Weise sein Vertrauen in die Liebe zur Natur im Menschen wieder gefunden. Die Eier waren die Symbole der Fruchtbarkeit. Symbole für eine fruchtbare Kommunikation zwischen Mensch und Pflanzenwelt.

Nun möchte er seinen Zauber wieder mit uns allen teilen und hilft uns Menschen mit seinen Blüten und Früchten auf liebevolle und natürliche Weise wieder „heil“ zu werden.

Denn in diesem Sommer trug es sich also zu, dass der Holunder zum ersten mal wieder zaghaft blühte. Er trug sogar soviel Blüten, dass ein heilsamer Holundersirup vom Holundermärchenmädchen hergestellt werden konnte.

Und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute.

Das HolunderMärchenmädchen aber, hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kraft des Holunders zu studieren und so gut sie kann einen Betrag dazu zu leisten, dass diese magische Heilpflanze und ihre eigene Intuition in ihrem Leben wieder wesentlich mehr Beachtung findet.

  1. dernordensh

    Liebes Hulundermärchenmädchen Petra, ich habe dieses wunderschöne Märchen mit jeder Zeile andächtiger gelesen. Ich bin total verzückt. Da steckt soviel Wahrheit drin. Ich bin jetzt am überlegen, ob ich mich auch öfters mit meiner kupfernen Felsenbirne unterhalten sollte. Sie kränkelt ein bisschen, hat nur kleine Blütenstände und einige Zweige sind abgestorben, tragen weder Blüten noch Blätter.
    Liebes Holundermärchenmädchen Petra, ich werde jetzt das Fenster öffnen und das zauberhafte Märchen vom Holunder vorlesen. Ich hoffe, es gefällt meiner kupfernen Felsenbirne und sie schöpft auch neuen Mut. Den Mut braucht sie um viele Blüten zu bekommen. Die sich daraus entwickelnden Beeren sind Nahrungsquelle für die Vögel. Damit wäre auch den Vögeln gedient.
    Damit ich auch in Zukunft interessante Beiträge nicht versäumen, werde ich dem Holundermärchenmädchen bei IG folgen.
    Ich wünsche einen schönen RestOstermontag
    @dernordensh Werner K.

    • holundermaerchenmaedchen

      Lieber @dernordensh ich danke Dir sehr für Deinen genauso schönen wie
      humorvollen Kommentar und dass Du Dir die Zeit zum Lesen genommen hast. Ich wünsche Dir und Deiner Felsenbirne von Herzen alles Gute und freu mich sehr, dass ihr mir jetzt auf IG folgt. PS. Ich habe unserem Holunderbäumchen schon von Euch erzählt. Wir sind gespannt, was Du uns berichten wirst. Die Aufmerksamkeit wird Deiner Felsenbirne gut tun – auch Bäumchen lieben Geschichten, ganz besonders, wenn sie aus dem Fenster heraus vorgelesen werden..

Was denkst Du?

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.